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Was macht eine gelungene Milonga aus?

Aus meiner Sicht gibt es mehrere Aspekte die für eine angenehme Milonga wichtig sind. So stelle ich sie mir vor…

 

Die Tanzfläche bietet immer genug Platz für eine Bewegung nach vorne. Die Tänzer nehmen Rücksicht und betreten nicht die Tanzfläche wenn diese anfängt zu voll zu werden. Es gibt eine kontinuierliche Fortbewegung der Tanzpaare.

 

Das Tanzen wird geprägt durch die Berücksichtigung der Tanzrichtung, der „Ronda“ und „Flow“ der Tanzfläche. Das eigene vermeintliche Tanzniveau eines jeden Tänzers und Tänzerin ist auf einer Milonga zweitrangig. Wie viele Schritte im Tanzkurs beherrscht werden ist nicht so wichtig wie die Fähigkeit zur Navigation und zur Selbstbeherrschung beider Rollen.

 

Freundlichkeit und Offenheit der Bedienung sind sehr von Bedeutung. Der Gastgeber ist für alle Besucher da, begrüßt freundlich und heißt alle willkommen, erfahrene Milonguerosund Anfänger gleich. Eine erfolgreiche Milonga ist geprägt vom persönlichen Charakter der Veranstalter, welcher sich zum Beispiel in der Wahl der Musik, des Ortes, der Beleuchtung usw. widerspiegelt.

 

Erfrischungen und vor allem Wasser, so wie ein Whiskey und ein Baileys fehlen nicht. Etwas mehr als nur das Überlebensnotwendige soll schon da sein, um munter durch die Tandas zu kommen.

 

Die Musik ist abwechslungsreich und atmosphärisch unterschiedlich. Im Laufe des Abends kommen mindestens zwei Höhepunkte vor. Persönlich finde ich Milongas die von Stücken aus den 40ern und 50ern geprägt sind am schönsten. Auch spätere und zeitgenössische Interpretationen von traditionellen Themen, wie von den Orchestern Colortango oder Misteriosa, können sehr zum Hörgenuss beitragen.

 

Und nicht zuletzt: in einer guten Milonga gibt es nicht nur genug Platz zum Tanzen sondern auch zu sozialisieren, Gespräche zu führen, neue Menschen kennenzulernen. Das wird auch vom Raum selbst begünstigt. Eine Bar, ein Vorraum und/oder ausreichend Sitzplätze fördern das Gespräch, so dass der Abend nicht nur tanzfokusiert ist. Die Tänzer können sich in Ruhe erholen und erfrischen und sich stets gepflegt zeigen.

 

Wenn ich genau darüber nachdenke sehe ich kein allgemein gültiges Rezept für eine gelungene Milonga. Eine starke Seele, die Liebe zum Tanz und die persönliche Gastfreundlichkeit der Organisatoren können aus den unterschiedlichen Lokalen, Größen, Uhrzeiten, Publikum usw. ein einmaliges Erlebnis zaubern.

 

Dafür gehen wir Tänzer immer wieder aus – auf der Suche nach dem besonderen Etwas.

Was bedeutet es ein guter Tänzer zu sein?

Ein guter Tänzer macht aus jeder Situation die Bestmögliche.

 

Es gibt viele Aspekte die dafür eine Rolle spielen. Erstens, ist es die Fähigkeit sich an verschiedene Partner anpassen zu können, zweitens, die Beherrschung seiner eigenen tänzerischen Wünsche. Zuletzt, die Fähigkeit sich von anderen zu unterscheiden. Im Sinne von Authentizität, Musikalität, die Vielfältigkeit im Repertoire, Ausstrahlung und Vermittlung von Sicherheit. All diese Faktoren sind selten in selber Intensität in einem einzelnen Menschen vorhanden. Das macht die Unterschiede zwischen den Tänzern aus. Ein guter Tänzer zu sein, bedeutet, in Ehrlichkeit die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen und dadurch die bestmögliche Version von sich selbst zu erschaffen.

 

Es gibt kaum Unterschiede zwischen den erstrebenswerten Qualitäten einer guten Tänzerin und denen eines guten Tänzers. Daher gilt dieses Gespräch für beide Rollen und Geschlechter. Es geht mehr darum, wie die Qualitäten im Spiel kommen. Beide Rollen müssen die Begegnung suchen, eine ehrliche Suche nach dem Partner, ohne den Anspruch zu erheben, jemanden zu „finden“. Der Prozess der Suche macht die Schönheit des Tanzes aus. Nach der Musik, dem Partner und sich selbst.
Ein guter Tänzer vergleicht sich nicht mehr nach außen, er ist nicht im Wettbewerb. Wenn man seine Art zu tanzen gefunden hat, ist man in der Lage die Suche und Entwicklung der anderen zu erkennen.

 

Gute Tänzer schaffen es, sich über die Jahre hinweg zu entwickeln und bleiben durch die gefundene Persönlichkeit beständig. Da ist Qualität eher in Ausdauer zu finden, als in manchmal nur kurzlebigen Modeerscheinungen.

 

Ein guter Tänzer muss Selbstvertrauen haben, sich selbst lieben, gleichzeitig die anderen Personen wahrnehmen und sich immer noch beim Tanzen emotional berühren lassen.Ein guter Tänzer ist jemand, der gut alleine klar kommt. Er hat keinen Anspruch darauf, von möglichst vielen „gemocht“ zu werden oder dass sein Geschmack vom breiten Publikum geteilt wird. Sein Ziel ist es, seinen bestmöglichen Tanz zu suchen. Er bereitet sich darauf kontinuierlich, sein ganzes Leben lang, vor. Er investiert in Körper, Seele und Geist.

Was ist Tango für Dich?

Für mich ist Tango eine Art zu leben. Der Tanz drückt das Innenleben einer Person aus, so habe ich es zumindest von José „El Turco“ Brahemcha gelernt. Er hat mir einmal gesagt:„Der Tänzer tanzt, was er ist.“

 

Die Authentizität im Tanz hat mit dem Alltäglichen zu tun. Jeder hat Routinen im Alltag und die Besten entspringen dem Willen, einem Prozess Kontinuität zu schenken. Tango ist ein Handwerk, ein Produkt der Wiederholung. Er bleibt zwar immer verwurzelt, doch ist er in stetiger Entwicklung. Je echter die Gefühle, desto echter die Suche. Gewisse Aspekte berühren einen mehr oder weniger. Eleganz, Explosivität oder Leidenschaft können einen Tänzer, Musiker oder Künstler mehr oder weniger bewegen.

 

Für mich ist Tango ein moderner Tanz. Es gibt eine Ordnung und eine Rollenverteilung, der Tradition entsprechend, doch nicht reaktionär. Es gibt Gründe, warum man gewisse Dinge, Bewegungen tut oder nicht tut. Auch in neuen Schritten werden die Grundqualitäten dieser betrachtet. Der Charakter bleibt und wird nicht verdünnt durch eine komplette Aufgabe der Regeln. Ich sehe dies besonders im Urquiza Stil (*schmunzelt)… Wenn „everything goes“ werden die Ausdrücke geglättet, die Konflikte vermieden. Alles wirkt nett aber Intensität und Charakter gehen verloren.

 

Der Tango ist mein zuhause, ein Ort an dem ich mich sicher fühle. Ich kann mich dadurch ausdrücken. Als Schüler, Lehrer, Künstler oder Regisseur. In dieser Arbeit sehe ich Dinge, die mich immer begleiten. Es sind zum Beispiel Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend. Der erste Besuch in Sunderland, wo sie mich nicht reinlassen wollten, da ich unpassend angezogen war. Ein Klubmitglied erkannte jedoch meinen Wunsch dem Tango näher zu kommen und ließ mich von hinten durch die Bar reinkommen, nur zum zuschauen. Da begegnete ich gleichzeitig Ordnung und Herzlichkeit. Oder in der Küche mit José, nach dem Kochen: „Chiche, dieses Essen ist leckerer als der Tango!“. Manchmal erkenne ich, dass ich anderen Aspekten mehr Platz einräumen muss, um den Tango dadurch mit zu ernähren.

 

Der Tango ist für mich, genießen zu können. Und dass ich mich verbessern kann. Vielleicht nicht „der Beste“, aber immer ein bisschen weiter streben kann nach dem Glück. Er versteckt sich nicht in der Idee der „Lockerheit“, um sich nicht weiter zu entwickeln. Im Tango kann man immer lernen, so wie im Leben. Es gibt keine Ausrede, ebenfalls wie im Leben. Man wird besser, auch durch die Traurigkeit. Die Persönlichkeit verfeinert sich und so auch der Tanz. Melancholie ist eine sehr starke Kraft zur Weiterentwicklung, sowie die Fähigkeit Glück im Unglück zu finden.

 

Am Anfang hätte ich niemals gedacht, Tänzer zu werden. Ich hätte mir diesen Gedanke nie erlaubt. Und gerade deswegen arbeitete ich sehr hart. Mit den Jahren hat das Leben mir dies geschenkt. Aus der Konstanz. Meine erste persönliche Berührung kam durch die Familie, später durch die Literatur des Tangos, dann durch die Musik und letztendlich durch den Tanz.

 

Die zwischenmenschlichen Beziehungen waren für mich immer eine große Komponente. Hier fand ich Respekt und Nähe, sowohl zwischen Lehrer und Schüler, als auch zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, zwischen Freunden und meinem Leben mit dem Tango.

Was bedeutet Urquiza?

Woher kommt der Name Urquiza?
Der Name „Urquiza“-Stil leitet sich ab aus der Bezeichnung des Stadtbezirks Villa Urquiza im Norden von Buenos Aires. Dieser Bezirk ist nach dem dritten argentinischen Präsidenten Justo José de Urquiza (1801 – 1870) benannt.
Die Bezeichnung des Stils war keine eigenständige Entscheidung der Gruppe, die diesen Stil kreiert, getanzt und entwickelt hatte. Tänzer anderer Gruppierungen gaben ihm den Namen „Urquiza“, weil seine Begründer/Vertreter aus dem Bezirk Villa Urquiza stammten, dort lebten oder sich dort mit der Gruppe (der „Barra“) getroffen hatten.


Wer hat den Stil entwickelt?
Urquiza als moderner Tango-Tanzstil entstand Mitte der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Als sein Gründer gilt Luis „Milonguita“ Lemos, auch genannt das „Geheimnis – el Misterio de Urquiza“. Er kam aus „La Siberia“, einem Gebiet im Bezirk Villa Urquiza, das dort liegt, wo sich heute der „Club Sin Rumbo“ befindet, zwischen der Avenida Crisologo Larralde und der Avenida Congreso sowie der Avenida De Los Constituyentes und Calle Diaz Colodrero. Das war damals die ärmste Gegend in Villa Urquiza, nur dünn besiedelt, aber mit Menschen, die den Wunsch nach einem eigenen Zuhause hatten und danach strebten, ein besseres Leben zu erreichen.
Ricardo „Chino Períco“ Ponce, ebenfalls ein wichtiger Vertreter des Urquiza-Stils, sagt über Milonguita: Seine Kleidung und die Schuhe waren massgefertigt, er wirkte einzigartig elegant und als Tänzer war er wie ein Engel.
Milonguita hatte die Mittel, um sich in den verschiedenen Bezirken von Buenos Aires nach Wunsch zu bewegen. So konnte er verschiedene Milongas besuchen und stieß immer wieder auf Neues, in einer Tango-Szene, die mit den Impulsen von „Petroleo“ und „Lavandina“ gerade eine starke Entwicklung im choreographischen Repertoire erlebte. Alles was er sah, machte er anders. Und so wurde er auch wahrgenommen: anders. Mit diesem Anderssein seines Tanzes wurde der Urquiza-Stil geboren.
Durch die lebendige, kräftige und geschmeidige Eleganz von Milonguita wurden existierende Figuren erneuert und andere neu erfunden. Damit weckte er aber auch sofort bei einigen anderen Tango-Begeisterten den Wunsch, ein bisschen wie er tanzen zu können, vielleicht sogar besser zu werden als er.


Dazu gehörten José „El Turco“ Brahemcha, Eduardo Clemente „Perita“, Miguel Mancini „Caga…“, Reinaldo „El Negrito“ Davila und Juan Luna. Sie waren die Mitglieder der ersten Generation, die um Milonguita den Urquiza-Stil prägte und ergänzte. Mit Milonguita realisierten sich die Vorstellungen, die aus dieser Gruppe kamen.
Zum Beispiel war Jose „El Turco“ ein starker Intellektueller des Tanzens und der Bewegung im Raum. Er war bekannt als jemand, der „den Tanz öffnete“. Er nutzte die vorhandenen Drehstrukturen, um die Drehungen im Raum zu versetzen und Figuren mit einer enormen Dynamik zu schaffen. Gleichzeitig hatte er eine erstaunliche Synthesefähigkeit und gab dem Stil eine sehr polierte und schlichte funktionelle Eleganz, im Einklang mit der Moderne. José nahm mich als seinen Lehrling im Jahr 1997 auf und verabschiedete mich als seinen Schüler im Jahr 2006.
Wie er hatte jeder in der Barra eine deutliche Persönlichkeit und besondere Stärken und Vorlieben. Man kann über alle diese Pioniere viel erzählen, das würde jedoch diesen Rahmen sprengen.


Welche Grundeigenschaften kennzeichnen den Urquiza-Stil?
Urquiza als Tanzstil hat sich aus der Suche nach Modernität im Tango entwickelt. Als Prinzip gilt, dass die Funktionalität die Schöpferin der Ästhetik ist. Daraus erwachsen Abgrenzungen zu anderen Tangostilen, sowohl darin, „was“ man tanzt (oder nicht tanzt), als auch darin, „wie“ man es tanzt.
Die grundlegenden Eigenschaften des Urquiza-Stils sind die Suche nach Symmetrie und Kontrast und das Streben nach Eleganz, die von der ursprünglichen Stabilität und Festigkeit in Richtung Duktilität und Elastizität wandert.
Diese Grundgedanken prägen alle Aspekte des Tanzes. Das zeigt sich auf den ersten Blick darin, „wie“ man als Urquiza-Tänzer im Unterschied zu anderen Stilen tanzt:
Die Haltung ist aufrecht, aber nicht steif und bleibt immer veränderbar, sowohl für die Herren als auch für die Damen, im Einklang mit dem gewünschten Ausdruck oder der gewünschten Bewegung.
Die Tänzer stehen parallel zueinander. Es wird eine enge Umarmung angestrebt, ohne dass das Paar zusammen „klebt“. Die Nähe wird durch Versetzung bewahrt und immer neu gefunden, die Körper gleiten in der Bewegung, ohne auf einem Punkt fixiert zu sein. Tänzer und Tänzerin stehen selbst und bleiben in ihrer eigenen Achse.
Im Urquiza-Stil sucht man immer nach Kontrast und Überraschungen, nicht nur in und durch Figuren, sondern bereits beim Gehen. Mittels Änderungen in der Fußtechnik, Variationen der Schrittgröße, Höhenänderungen (innerhalb von mehreren Schritten) und Tempowechsel vermeidet man das „Marschieren“. So tanzt man lebendig, ohne vorhersehbare Abfolgen und mit einer auf die Verstärkung des Ausdrucks gerichteten Explosivität.
Dabei werden die Tanzpartner die Unterschiede in Körperbau, Größe, Gemüt, Geschmack und Fähigkeiten berücksichtigen. Man wählt Elemente aus, die am Besten zu einem passen und hat auch keine Scheu, vieles wegzulassen.


Beim nähreren Betrachten werden auch choreographische Besonderheiten deutlich, die Urquiza von anderen Tangostilen unterscheiden. Hier geht es darum, „was“ getanzt wird:
Urquiza-Tänzer behandeln die rechte und linke Seite der Umarmung gleichberechtigt, d.h. im Unterschied zu anderen Stilen tanzen sie Figuren auch auf der linken (durch die Tanzhaltung „geschlossenen“) Seite der Damen.
Aus der Idee, stets kontrastreich zu tanzen, folgt, Figuren nicht zu wiederholen. Auch Strukturen, die auf Wiederholung basieren, wie zum Beispiel die „Kette“, werden deshalb abgelehnt und nicht verwendet.
Im Urquiza-Stil gibt man dem Tanz eine sehr deutliche und entschlossene Richtung nach vorne. Die Tänzer werden alle Figuren aus der Bewegung ausführen. Das gilt zum Beispiel auch für Ganchos, die man nur innerhalb eines ununterbrochenen Flusses (und nicht „im Stehen“) tanzt.
Aus diesem Grund gehören Wiegeschritte und alle „Pendel-Bewegungen“ im Urquiza nicht zum tänzerischen Repertoire.
Figuren, die die Damen und Herren in unvorteilhafter Pose zeigen, wie Volcadas mit geöffneten Beinen oder Sandwiches, gelten als unfein. Sie widersprechen dem Streben nach Eleganz und werden deshalb im Urquiza-Stil nicht getanzt.


Dazu kommen andere Feinheiten, die damit zu tun haben, „wann“ man tanzt. Urquiza-Tänzer werden die Musik, die mit ihrem Stil korrespondiert, sehr bevorzugen. Dazu gehören Tango-Stücke aus den 1940er und 1950er Jahren, vor allem von melodisch geprägten Orchestern. Sie entscheiden sich für Tangos, die ihnen die Verbindung von Symmetrie, Kontrast und Eleganz am ehesten ermöglichen, ohne sie zu stark auf den Rhythmus festzulegen. Andererseits werden Milonga und Vals selbstverständlich rhythmisch getanzt und gerne mit Zitaten älterer Stilrichtungen angereichert.
Auch die Frage, ob man überhaupt tanzt, ist für Urquiza-Tänzer sehr bedeutsam. El Chino Períco sagte zum Bespiel über José El Turco, dass dieser stets den richtigen Moment suchte, um auf die Tanzfläche zu gehen. Es kam ihm darauf an, bequem tanzen zu können. In diesem Sinn vermeidet man im Urquiza-Stil, eine zu volle Tanzfläche zu betreten. Ebenso kann eine ungepflegte Ronda, in der Tanzrichtung und Linien missachtet werden, ein Grund sein, nicht zu tanzen, auch aus Respekt gegenüber der Dame.


Wo wird der Tango heute im Urquiza-Stil getanzt?
Man kann dem Urquiza-Stil auch heute noch vor allem am Ort seiner Entstehung, in den Milongas in Villa Urquiza, Buenos Aires, begegnen. Dort wird der Tango häufig mit Ähnlichkeiten zu dem ursprünglichen Stil getanzt. Wichtige Tango-Salon-Elemente und gewisse Besonderheiten wie Haltung und Umarmung werden dort weiter gepflegt. Die anspruchsvolleren Figuren sind aber im tänzerischen Repertoire der Milongateilnehmer nicht häufig zu finden.
In Europa hat sich der Stil durch die Wirkung von einzelnen Vertretern in Berlin, aber auch in anderen Städten wie Mailand und Nantes etabliert.


Viele Menschen tanzen heutzutage Tango Argentino. Und viele Tänzerinnen und Tänzer, vor allem auch aus der nachrückenden jungen Tangogeneration, möchten nicht nur Schritte und Musik kennenlernen, sondern wollen auch mehr wissen über die Wurzeln des Tanzes und der Tangokultur. Das erklärt sicher das wachsende Interesse am Urquiza-Stil, der als moderner Tangostil die Tradition in besonderer Weise verkörpert. Ich bin mir sicher, dass die neue Generation für die weitere Stilentwicklung eine große Rolle spielt. Und ich bin sehr gespannt auf die neuen Impulse, die Urquiza von ihr erhalten wird.

Welche Tangoschuhe würdest Du empfehlen?

Die Frage nach dem richtigen Schuhwerk zum Tangotanzen ist und bleibt sehr aktuell.

Es besteht zwar ein immenses Angebot verschiedener Hersteller von Schuhen, die sich alle als Spezialisten für Tangoschuhe präsentieren; trotzdem lohnt sich die Nachfrage, welche Grundeigenschaften man für einen passenden Tangoschuh berücksichtigen sollte.
Ich werde einen Umweg nehmen und aus den Ergebnissen meiner persönlichen Erfahrungen die Eigenschaften benennen, die einen Tangoschuh geeigneter machen.

 

Meine erste Empfehlung

Zu Beginn hatte ich keine brauchbaren Schuhe zum Tanzen. Ich verwendete entweder Turnschuhe oder normale Straßenschuhe mit Gummisohle. Irgendwann habe ich gemerkt das viele „Tanzschuhe“ hatten. Damals war mir das Konzept von Tanzschuh nicht klar.
Ich fing an zu fragen, woher ich ein Paar Tangoschuhe besorgen könnte. In Buenos Aires gab es damals nur eine kleine Auswahl von solchen spezialisierten Herstellern. Ich bekam eine Empfehlung, die mich mein ganzes Leben begleitete.
Ich hatte mit einem Herrn eine Bekanntschaft gemacht, der Milonguero war. Er hat viele Milongas besucht, viel getanzt und ging einem ganz normalen Job nach. Er war also kein professioneller Tänzer und wollte auch keiner werden. Er hatte trotzdem einen hohen Anspruch an seinen Tanz, sein Benehmen und Aussehen.
Als er hörte, dass ich Schuhe für den Tango suchte, gab er mir eine Empfehlung. Er empfahl mir ein Paar Straßenschuhe aus Leder, mit wenig Rahmen entlang der Fußsohle zu kaufen. Dafür nannte er drei Gründe:
Erstens kannst du damit auf der Straße gehen. Schuhe sind dafür gefertigt worden. Ich komme in die Milonga, brauche meine Schuhe nicht wechseln und muss meine Füße nicht anfassen. Zweitens lässt es sich damit lange bequem tanzen. Denn der Zweck von guten Straßenschuhen sollte sein, dass man damit lange Strecken zurücklegen kann. Und drittens sollte dein Schuh wenig Rand aufzeigen, um möglichst präzise und sensibel nah am Fuß der Dame tanzen zu können. So kaufte ich meine ersten Oxford Schuhe. Diese Schuhe trug ich jahrelang.

 

Omar Vega

Ich erinnere mich an ein großes Vorbild, der später ein guten Freund von mir wurde. Es muss im Jahr 1997 gewesen sein, als mich Omar Vega in der Milonga „Regin“ an seinen Tisch einlud. Ich erhielt sehr viele gute Ratschläge von ihm, doch einmal sagte er völlig unvermittelt zu mir: „Ein Schuh muss am Fuß wie ein Handschuh sitzen“. Es war einer von diesen Sätzen die alles Mögliche bedeuten können, aber doch am Ende sehr genau und wortwörtlich gemeint sind.
Die Erläuterung des Satzes ist fast noch wichtiger als der Satz selbst. Ich habe gut zehn Jahre gebraucht, um diesen Satz in seiner vollen Bedeutung zu begreifen. Behilflich waren mir  die unzähligen Nebengespräche über Schuhe mit erfahrenen Tangotänzern wie „El Chino Perico“, „El Nene Fo“, „El Turco José“, um nur meine wichtigsten Vorbilder zu nennen.
Was der Satz meint, ist, dass der Schuh speziell am Mittelfußgelenk fest sitzen muss, damit der Fuß nicht nach vorne rutscht und die Zehen unter Druck setzt. Sie brauchen an der Spitze des Fußes immer Luft. Schnürschuhe sind dafür eine gut praktikable Variante, schließt aber Slipper oder Stiefel zum Tangotanzen definitiv nicht aus. Die Schuhform sollte hier nur genauer am Fuß angepasst sein als beim Schnürschuh.

 

Roberto und die Technologie

Am Anfang meines Tangounterrichtes war ich einmal im Studio „La Esquina“ von Vanina Bilous und Roberto Herrera für eine Gruppenunterrichtsstunde. Mir wurde angeboten einen Blick auf ein paar Schuhe zu werfen, die als Tangoschuhe konzipiert waren. Sie hatten eine Chromledersohle. Dabei wurden mir die fantastischen Eigenschaften von diesem Schuh erklärt, im Vergleich zu gewöhnlichen Lederschuhen. Insbesondere wurde über die Rutschfestigkeit des Chromleders gesprochen und wie sehr sich diese Schuhe an den Fuß anpassen können. Mann müsse sie regelmäßig bürsten, so dass sie diese Eigenschaften nicht verlieren. Ich hörte mir das damals natürlich mit sehr viel Begeisterung an und erinnere mich immer noch an meine ersten Chromlederschuhe. Sie waren einfach schön und vom Anfang an sehr bequem.
Heute denke ich darüber, dass die Wahl einer Chromledersohle für jeden Sozialtänzer eine ganz persönliche Entscheidung bleibt. Man kann mit solchen Schuhen nicht auf der Straße laufen, sie verlieren die Form viel schneller als ein Ledersohlenschuh, sie bieten viel weniger Unterstützung und sind eher geeignet für bestimmte Tänzer, die nicht einen Schuh mit langer Lebensdauer brauchen. Z.B. professionelle Tangotänzer.

 

Erneut dachte ich an den Satz:

„Ein Schuh sitzt wie ein Handschuh am Fuß…“
Auf den ersten Blick sieht man: in einem weichen Schuh fühlt man sich sofort wohl. Das ist der Fall bei vielen Tangoschuhen.  Doch schon bald wird der Nachteil deutlich: Das zuerst bequeme Material arbeitet weiter und wird so weich, dass der Schuh bereits in Kürze den Fuß nicht mehr so halten kann wie er sollte.
Die andere Möglichkeit sind Schuhe mit festerem Material; eine Ledersohle als Basis und unbiegsameres Obermaterial, um ein etwas festeres Gefühl zu erzeugen. Diese Schuhe passen sich langsamer an den Fuß an, aber dafür stabilisieren sie sich, wenn die Form des Fußes gefunden wurde. Lederschuhe dehnen sich in der Regel seitlich gut aus. Wichtig ist jedoch, dass die Fußspitze immer etwas Luft hat, weil die Schuhe sich kaum oder nicht in der Länge dehnen.  Neu gekaufte Schuhe tragt Ihr am besten mehrmals am Tag für kurze Momente, bis sie in ihrer Form nachgeben und sich am Fuß anpassen. In der Zwischenzeit tanzt Ihr mit den alten Schuhen. Irgendwann liegen die neuen bequem am Fuß an und werden dann wie ein Handschuh sitzen.

 

El Turco Josè

El Turco José liebte braune und schnurlose Schuhe… y El Taquito Militar! Als ich „El Turco José“ kennenlernte, eine der ersten Sachen die meine Aufmerksamkeit festhielten, waren seine Schuhe. Damals wusste ich noch nicht dass er mein Vorbild für alles, was ich mit dem Tango machen wollte, werden soll. Er trug schnurlose, hellbraune Straßenschuhe! Was war daran so besonders? Fraglos keine Schuhe mit Schnürsenkel. Das unterschied ihn von allen anderen. Dennoch war seine Art zu gehen, vertraut, elegant und von Raffinesse. Nachdem wir näher miteinander umgingen, empfahl er mir Schuhe mit höherem Absatz. Zur Auswahl standen „Taco Francés“ und „Taco Militar“, die ich beide ausprobierte. Persönlich fühle ich mich aber mit letzterem – also dem Militär Absatz – sicherer. Er kann bis zu einem halben Zentimeter höher als der „Taco Fracés“ sein, wobei die Basis schmaler und leichter ist. Ich entwickelte eine Leichtigkeit mit dem höheren Absatz; obwohl der Gewöhnungsprozess etwas dauerte, fühlte ich mich bald sehr wohl in solchen Schuhen.
Eine wichtige Aussage von Josè war auch, dass mann lernen muss, in den Schuhen, in welchen man tanzt, auch bequem auf der Straße zu laufen, nur so kann man seine Schuhe beherrschen.
Absätze sind für die Damen ein großes Thema! Besonders dann, wenn die Mode wechselt! Eine bestimmte Schuhform wird in der Regel nach der Höhe des Absatzes konzipiert. Leider entdecke ich auf dem „Tangomarkt“ immer wieder Damenschuhe mit unpassender Absatzhöhe, wodurch die gesamte Stabilität des Körpers und seine Gelenke leiden. Ganz sicher ist, dass ein Absatz belastbar und stabil sein muss. Doch nur wenige Tanzschuhe, die für andere Tanzarten wie beispielsweise Standard/ Latein entwickelt wurden, eignen sich für Tango, weil eben ihre Absätze nicht ausreichend belastbar sind.
Wenn wir von Absätzen sprechen, möchte ich kurz einen Blick auf die Damenschuhe wagen…

 

Las Milongueras del 40 y 50

Vor der Gründung des Comme il faut war es eher unüblich, dass Damen Sandalen zum Tanzen trugen. Ein Grund lag bestimmt darin, dass an den Orten, wo Tango mit einem Anspruch getanzt, die Nähe zu den Füßen gesucht wurde. Verständlich, dass bei aller Präzision, doch ein gewisser Schutz für die Zehen getroffen wurde.
„Tanzschuhe“ verwendeten Damen nicht, sondern ganz normale, starke Schuhe, die bequem sind, und sich zum Tangotanzen eigneten. Selten, an einem trockenen Tag im Sommer, konnte man gelegentlich Sandalen sehen. Die Damenschuhe waren geschlossen oder vielleicht mit einer kleinen Öffnung an der Spitze versehen, womit sie den Füßen großen Schutz boten. Selbstverständlich wollte jede Dame apart sein und nicht ausgerechnet das Modell tragen, das an vielen Füßen von Tänzerinnen – womöglich noch am selben Abend – zu sehen ist.
Nach intensivem Austausch mit Kolleginnen und Tänzerinnen habe ich festgestellt, dass die Grundeigenschaften für gute Tango-Damenschuhe dieselben wie für Herrenschuhe sind: Schutz und Stabilität, Höhe und Anpassung und selbstverständlich zeitlose Schönheit!

In Gedanken dazu sehe ich oft ein schönes Paar, das einmalig und das in der Milonga Szene von Buenos Aires nicht wegzudenken war:

 

El Nene Fo

Ich erinnere mich, dass wir mit El Nene und seiner Frau Carmen unterwegs zum Club Sin Rumbo waren. Mir entgingen seine wunderschönen Schuhe nicht, die sich von ihrer Fertigung von allen anderen marktüblichen Tangoschuhen unterschieden. Bourdeauxfarben! Wunderschön!
Gefallen sie dir? Fragte er mich. Ja! Sagte ich, aber woher hast Du sie? Vom Schuhmacher meiner Nachbarschaft, natürlich! Sagte er.
In dem Moment merkte ich, dass sowohl er als auch Carmen überhaupt nichts von so etwas wie Tangoschuhen wussten.
Beide aber trugen sehr schöne und bequeme Schuhe, mit welchen sie lange tanzten, kamen und gingen. Unbestritten sind Schuhe eine entscheidende Sache im Tango! Wir sollten damit arbeiten, nicht versuchen, dem zu entkommen. Braucht also Mann oder Frau offizielle „Tangoschuhe“, um lange und bequem Tango zu tanzen? Definitiv, nein!! Sogenannte Tangoschuhe, wenn sie von hoher Qualität sind, bieten sicherlich eine Reihe von Eigenschaften, die einen Schuh für den Tango brauchbar machen.

 

Ich hoffe euch durch meine Erinnerungen angeregt zu haben, euch über eure Schuhe und die Gesundheit eurer Füße Gedanken zu machen. Die eigenen Erfahrungen und Empfindungen können nicht durch den blinden Kauf von teuren Modellen der aktuell angesagten Marken ersetzt werden. Stabilität und Schutz, gepaart mit Geschmack und Individualität, machen aus einem Paar Schuhe einen Schatz von Dauer.