urquiza.com | Blog für Tango Argentino. Von Chiche Nunez in Berlin.
In meine Erfahrung mit dem argentinischen Tango wurden mir immer wieder Fragen gestellt, die sich im Rahmen dieses Tanzes ergeben. Anfänger und auch erfahrene Tänzer möchten mehr über die Kultur neben der Technik, über die Geschichte neben den Schritten lernen. Der dritte Artikel meines Blogs befasst sich mit dem Thema: Was bedeutet Urquiza?
Tango Blog
24569
post-template-default,single,single-post,postid-24569,single-format-standard,woocommerce-no-js,ajax_updown_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-3.1,wpb-js-composer js-comp-ver-4.11.2.1,vc_responsive

Was ist Tango für Dich?

Für mich ist Tango eine Art zu leben. Der Tanz drückt das Innenleben einer Person aus, so habe ich es zumindest von José „El Turco“ Brahemcha gelernt. Er hat mir einmal gesagt:„Der Tänzer tanzt, was er ist.“

 

Die Authentizität im Tanz hat mit dem Alltäglichen zu tun. Jeder hat Routinen im Alltag und die Besten entspringen dem Willen, einem Prozess Kontinuität zu schenken. Tango ist ein Handwerk, ein Produkt der Wiederholung. Er bleibt zwar immer verwurzelt, doch ist er in stetiger Entwicklung. Je echter die Gefühle, desto echter die Suche. Gewisse Aspekte berühren einen mehr oder weniger. Eleganz, Explosivität oder Leidenschaft können einen Tänzer, Musiker oder Künstler mehr oder weniger bewegen.

 

Für mich ist Tango ein moderner Tanz. Es gibt eine Ordnung und eine Rollenverteilung, der Tradition entsprechend, doch nicht reaktionär. Es gibt Gründe, warum man gewisse Dinge, Bewegungen tut oder nicht tut. Auch in neuen Schritten werden die Grundqualitäten dieser betrachtet. Der Charakter bleibt und wird nicht verdünnt durch eine komplette Aufgabe der Regeln. Ich sehe dies besonders im Urquiza Stil (*schmunzelt)… Wenn „everything goes“ werden die Ausdrücke geglättet, die Konflikte vermieden. Alles wirkt nett aber Intensität und Charakter gehen verloren.

 

Der Tango ist mein zuhause, ein Ort an dem ich mich sicher fühle. Ich kann mich dadurch ausdrücken. Als Schüler, Lehrer, Künstler oder Regisseur. In dieser Arbeit sehe ich Dinge, die mich immer begleiten. Es sind zum Beispiel Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend. Der erste Besuch in Sunderland, wo sie mich nicht reinlassen wollten, da ich unpassend angezogen war. Ein Klubmitglied erkannte jedoch meinen Wunsch dem Tango näher zu kommen und ließ mich von hinten durch die Bar reinkommen, nur zum zuschauen. Da begegnete ich gleichzeitig Ordnung und Herzlichkeit. Oder in der Küche mit José, nach dem Kochen: „Chiche, dieses Essen ist leckerer als der Tango!“. Manchmal erkenne ich, dass ich anderen Aspekten mehr Platz einräumen muss, um den Tango dadurch mit zu ernähren.

 

Der Tango ist für mich, genießen zu können. Und dass ich mich verbessern kann. Vielleicht nicht „der Beste“, aber immer ein bisschen weiter streben kann nach dem Glück. Er versteckt sich nicht in der Idee der „Lockerheit“, um sich nicht weiter zu entwickeln. Im Tango kann man immer lernen, so wie im Leben. Es gibt keine Ausrede, ebenfalls wie im Leben. Man wird besser, auch durch die Traurigkeit. Die Persönlichkeit verfeinert sich und so auch der Tanz. Melancholie ist eine sehr starke Kraft zur Weiterentwicklung, sowie die Fähigkeit Glück im Unglück zu finden.

 

Am Anfang hätte ich niemals gedacht, Tänzer zu werden. Ich hätte mir diesen Gedanke nie erlaubt. Und gerade deswegen arbeitete ich sehr hart. Mit den Jahren hat das Leben mir dies geschenkt. Aus der Konstanz. Meine erste persönliche Berührung kam durch die Familie, später durch die Literatur des Tangos, dann durch die Musik und letztendlich durch den Tanz.

 

Die zwischenmenschlichen Beziehungen waren für mich immer eine große Komponente. Hier fand ich Respekt und Nähe, sowohl zwischen Lehrer und Schüler, als auch zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, zwischen Freunden und meinem Leben mit dem Tango.