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Was macht eine gelungene Milonga aus?

Aus meiner Sicht gibt es mehrere Aspekte die für eine angenehme Milonga wichtig sind. So stelle ich sie mir vor…

 

Die Tanzfläche bietet immer genug Platz für eine Bewegung nach vorne. Die Tänzer nehmen Rücksicht und betreten nicht die Tanzfläche wenn diese anfängt zu voll zu werden. Es gibt eine kontinuierliche Fortbewegung der Tanzpaare.

 

Das Tanzen wird geprägt durch die Berücksichtigung der Tanzrichtung, der „Ronda“ und „Flow“ der Tanzfläche. Das eigene vermeintliche Tanzniveau eines jeden Tänzers und Tänzerin ist auf einer Milonga zweitrangig. Wie viele Schritte im Tanzkurs beherrscht werden ist nicht so wichtig wie die Fähigkeit zur Navigation und zur Selbstbeherrschung beider Rollen.

 

Freundlichkeit und Offenheit der Bedienung sind sehr von Bedeutung. Der Gastgeber ist für alle Besucher da, begrüßt freundlich und heißt alle willkommen, erfahrene Milonguerosund Anfänger gleich. Eine erfolgreiche Milonga ist geprägt vom persönlichen Charakter der Veranstalter, welcher sich zum Beispiel in der Wahl der Musik, des Ortes, der Beleuchtung usw. widerspiegelt.

 

Erfrischungen und vor allem Wasser, so wie ein Whiskey und ein Baileys fehlen nicht. Etwas mehr als nur das Überlebensnotwendige soll schon da sein, um munter durch die Tandas zu kommen.

 

Die Musik ist abwechslungsreich und atmosphärisch unterschiedlich. Im Laufe des Abends kommen mindestens zwei Höhepunkte vor. Persönlich finde ich Milongas die von Stücken aus den 40ern und 50ern geprägt sind am schönsten. Auch spätere und zeitgenössische Interpretationen von traditionellen Themen, wie von den Orchestern Colortango oder Misteriosa, können sehr zum Hörgenuss beitragen.

 

Und nicht zuletzt: in einer guten Milonga gibt es nicht nur genug Platz zum Tanzen sondern auch zu sozialisieren, Gespräche zu führen, neue Menschen kennenzulernen. Das wird auch vom Raum selbst begünstigt. Eine Bar, ein Vorraum und/oder ausreichend Sitzplätze fördern das Gespräch, so dass der Abend nicht nur tanzfokusiert ist. Die Tänzer können sich in Ruhe erholen und erfrischen und sich stets gepflegt zeigen.

 

Wenn ich genau darüber nachdenke sehe ich kein allgemein gültiges Rezept für eine gelungene Milonga. Eine starke Seele, die Liebe zum Tanz und die persönliche Gastfreundlichkeit der Organisatoren können aus den unterschiedlichen Lokalen, Größen, Uhrzeiten, Publikum usw. ein einmaliges Erlebnis zaubern.

 

Dafür gehen wir Tänzer immer wieder aus – auf der Suche nach dem besonderen Etwas.

Was bedeutet es ein guter Tänzer zu sein?

Ein guter Tänzer macht aus jeder Situation die Bestmögliche.

 

Es gibt viele Aspekte die dafür eine Rolle spielen. Erstens, ist es die Fähigkeit sich an verschiedene Partner anpassen zu können, zweitens, die Beherrschung seiner eigenen tänzerischen Wünsche. Zuletzt, die Fähigkeit sich von anderen zu unterscheiden. Im Sinne von Authentizität, Musikalität, die Vielfältigkeit im Repertoire, Ausstrahlung und Vermittlung von Sicherheit. All diese Faktoren sind selten in selber Intensität in einem einzelnen Menschen vorhanden. Das macht die Unterschiede zwischen den Tänzern aus. Ein guter Tänzer zu sein, bedeutet, in Ehrlichkeit die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen und dadurch die bestmögliche Version von sich selbst zu erschaffen.

 

Es gibt kaum Unterschiede zwischen den erstrebenswerten Qualitäten einer guten Tänzerin und denen eines guten Tänzers. Daher gilt dieses Gespräch für beide Rollen und Geschlechter. Es geht mehr darum, wie die Qualitäten im Spiel kommen. Beide Rollen müssen die Begegnung suchen, eine ehrliche Suche nach dem Partner, ohne den Anspruch zu erheben, jemanden zu „finden“. Der Prozess der Suche macht die Schönheit des Tanzes aus. Nach der Musik, dem Partner und sich selbst.
Ein guter Tänzer vergleicht sich nicht mehr nach außen, er ist nicht im Wettbewerb. Wenn man seine Art zu tanzen gefunden hat, ist man in der Lage die Suche und Entwicklung der anderen zu erkennen.

 

Gute Tänzer schaffen es, sich über die Jahre hinweg zu entwickeln und bleiben durch die gefundene Persönlichkeit beständig. Da ist Qualität eher in Ausdauer zu finden, als in manchmal nur kurzlebigen Modeerscheinungen.

 

Ein guter Tänzer muss Selbstvertrauen haben, sich selbst lieben, gleichzeitig die anderen Personen wahrnehmen und sich immer noch beim Tanzen emotional berühren lassen.Ein guter Tänzer ist jemand, der gut alleine klar kommt. Er hat keinen Anspruch darauf, von möglichst vielen „gemocht“ zu werden oder dass sein Geschmack vom breiten Publikum geteilt wird. Sein Ziel ist es, seinen bestmöglichen Tanz zu suchen. Er bereitet sich darauf kontinuierlich, sein ganzes Leben lang, vor. Er investiert in Körper, Seele und Geist.